Dieter Kläy
Dieter Kläy

Ausser Spesen nichts...

23.11.2018

National- und Ständerat sind drauf und dran, unter dem Titel Lohngleichheit Unternehmen ab 100 Stellen externe Lohnanalysen zu verpassen. In der kommenden Montag beginnenden Wintersession wird sich die Diskussion im Rahmen der Differenzbereinigung zwischen den beiden Räten gerade noch um die Frage drehen, ob die Pflicht zur Lohnanalyse ab 100 Mitarbeitenden oder ab 100 Vollzeiteinheiten im Gleichstellungsgesetz verankert werden soll. Die Einführung der Lohnanalysepflicht ist beschlossene Sache.

Selbstverständlich soll für vergleichbare Leistung und Qualifikation innerhalb der Firma ein gleicher Lohn bezahlt werden. Diese Forderung ist bereits Teil der Bundesverfassung. Alles andere wäre diskriminierend. Der Lohn ist Bestandteil des Arbeitsvertrags und wird individuell zwischen Arbeitgeberin und Arbeitnehmer ausgehandelt. Im Zuge zunehmenden Fachkräftemangels und einer historisch tiefen Arbeitslosigkeit wird systematische Lohndiskriminierung vom Markt sanktioniert. Arbeitgeberinnen, die systematisch keinen marktgerechten Lohn zahlen, werden mit häufiger Fluktuation und Rekrutierungskosten konfrontiert werden.

Aufhorchen lässt eine Ende Oktober in der NZZ publizierte Studie, die zum Ergebnis gelangt ist, dass gemessen am AHV-pflichtigen Medianeinkommen selbständige Ärztinnen 2014 rund 222 500 Franken und damit 20% weniger als ihre männlichen Kollegen (278 600 Franken) verdienten. Die selbständigen Ärztinnen sind keineswegs schlechter qualifiziert. Auch kann die Differenz bei den selbständig erwerbenden Ärztinnen keine Geschlechterdiskriminierung sein und die Zahlen sind auf Vollzeiteinkommen aufgerechnet worden. Teilzeitaspekte spielen damit keine Rolle. In solchen Fällen ist nicht nur eine plausible Erklärung schwierig. Auch die von Bundesbern verordneten Lohnanalysen werden nicht greifen.

Die von der Politik immer wieder geforderte administrative Entlastung der KMU bleibt ein frommer Wunsch. In Tat und Wahrheit werden unsere Unternehmen immer wieder mit neuen Auflagen und Forderungen konfrontiert. Die Lohngleichheitsanalyse wird für die betroffenen Firmen nicht nur zur bürokratischen, sondern auch zur finanziellen Belastung. Die Revision des Gleichstellungsgesetzes muss in der Schlussabstimmung der eidgenössischen Räte abgelehnt werden. Sie wird keinen wesentlichen Nutzen bringen.

Dieter Kläy, Ressortleiter