Dieter Kläy
Dieter Kläy

Berufsfachschulen als Kompetenzzentren

13.10.2018

Berufsfachschulen als Kompetenzzentren

Die Berufsfachschulen im Kanton Zürich sollen fit gemacht werden für die zukünftigen Herausforderungen. Ende September ist durch das Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich (MBA) das Projekt Kompetenzzentren gestartet worden. Das Projekt fusst auf den Vorarbeiten der Präsidentinnen bzw. Präsidenten und Rektoren bzw. Rektorinnen der Berufsfachschulen.

Im Kanton Zürich wird die berufliche Grund- und Weiterbildung an 29 Berufsfachschulen angeboten. 18 dieser Schulen sind kantonal, 11 haben eine private oder kommunale Trägerschaft. 2017 wurden in der Grundbildung rund 42‘000 Lernende in über 200 Berufen ausgebildet. Rund 30 Berufe werden an mehreren Schulorten unterrichtet.

Entwicklungen der vergangenen Jahre berücksichtigen

Welche Berufe an welcher Schule unterrichtet werden, beruht auf einer historisch gewachsenen Berufszuteilung. Diese Zuteilung hat sich im Verlaufe der Jahre überholt. So gibt es einerseits Berufe, für die es heute im Verhältnis zur Anzahl Lernender zu viele Standorte gibt. An den einzelnen Standorten führt dies zu einem teilweise sehr kleinen Unterrichtsvolumen. Das ist nicht wirtschaftlich und erschwert ausserdem, die Qualität des Unterrichts auf einem konstant hohen Niveau zu halten. Auf der anderen Seite gibt es Berufe, die in den letzten Jahren stark gewachsen sind und sich an ihren Standorten sehr stark konzentriert haben. Dies kann die Innovation und Entwicklung einer Schule behindern.

Für die Zukunft fit machen

Weitere Herausforderungen für die Schulen sind die Veränderungen in der Berufswelt, die mit der Digitalisierung einhergehen, sowie die prognostizierten demographischen Entwicklungen, die bis 2030 eine Zunahme von 11‘000 Lernenden vorhersagen. Um die Berufsfachschulen auf die Herausforderungen der Zukunft optimal vorzubereiten wurde das Projekt «Kompetenzzentren» gestartet. Ziel dieses Projekts ist es, die Kompetenzen an den Schulen zu bündeln, den Schulraum optimal zu nutzen und gleichzeitig die Regionen zu stärken. Die Schulen sollen sich pädagogisch und fachlich optimal entwickeln können und gleichzeitig finanziell und organisatorisch solide ausgestattet sein. Für die Lehrbetriebe kann das Projekt zur Folge haben, dass die Lernenden eine andere Berufsfachschule besuchen müssen als bisher.

Grundstein durch Berufsfachschulen gelegt

Von 2015 bis 2017 wurde unter der Leitung der Präsidentinnen und Präsidenten der Schulkommissionen sowie der Rektorinnen und Rektoren die Grundlagen für eine Optimierung der Berufszuteilung sowie die Bildung von Kompetenzzentren gelegt. An einer zweitägigen Retraite im Oktober 2015 in der Kartause Ittingen formulierten die Präsidenten und Rektoren der Berufsfachschulen einen Katalog von Themen, die vermehrt schulübergreifend koordiniert, geplant und gesteuert werden sollen. Eine Forderung war eine kantonale Strategie für die Bildung von Kompetenzzentren. 2016 und 2017 wurden eine Bestandesaufnahme bei den Schulen gemacht und im Rahmen von schulübergreifenden Gesprächen unter der Leitung des Präsidenten der Präsidialkonferenz Zürcher Berufsfachschulen die Optimierungsmöglichkeiten ausgelotet.

Im Februar 2018 hat der Bildungsrat beschlossen, das Projekt Optimierung der Berufszuteilung und die Bildung von Kompetenzzentren von den Berufsfachschulen zu übernehmen. Das MBA hat im April 2018 die Vorbereitungsarbeiten für das Projekt aufgenommen.

Um künftig besser und flexibler auf Veränderungen in der Berufswelt reagieren zu können, braucht es eine Konzentration der Kräfte. Die Berufsfachschulen sollen durch eine Optimierung der Berufszuteilung gestärkt werden. In den nächsten Wochen und Monaten wird die Diskussionsgrundlage mit den Berufsfachschulen und – in einem zweiten Schritt – den zuständigen Organisationen der Arbeitswelt diskutiert. Die grossen Arbeitgeberdachorganisationen wie der KMU und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV) sind zudem in einer breit abgestützten Reflexionsgruppe vertreten, die den Steuerungsausschuss des Projekts begleitet.

Umsetzung auf 2023 geplant

Die Rückmeldungen der Schulen und der Organisationen der Arbeitswelt werden gesammelt, ausgewertet und fliessen dann in die Erarbeitung eines Lösungsvorschlags ein. Dieser soll im Frühjahr 2019 vom Bildungsrat zur Vernehmlassung freigegeben werden und nach einer allfälligen Überarbeitung zum definitiven Bildungsratsantrag führen. Das MBA rechnet mit dem Entscheid des Bildungsrates für März 2020. Anschliessend wird die Umsetzung bis Sommer 2023 erfolgen.

Forderungen des Gewerbes

Der KMU und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV) unterstützt die Stossrichtung des Projekts und wird im Rahmen der Berufsbildungskommission die Bedürfnisse seiner Branchenverbände erheben und allfällige seine Forderungen an die Projektleitung formulieren. An der Qualität der Grundbildung der Lernenden darf nicht gerüttelt werden.    

Dieter Kläy, Präsident Berufsbildungskommission des KMU- und Gewerbeverbandes des Kantons Zürich

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Zielsetzungen des Projekts im Überblick

- Die Schulen sollen fit werden für die Herausforderungen der Zukunft, insbesondere die Veränderungen der Arbeitswelt, die Digitalisierung und das Bevölkerungswachstum im Kanton Zürich.

- Die Bündelung der Kompetenzen soll optimiert werden. Die Bildung von grösseren Fachschaften, die Konzentration der Fach-Expertise und eine moderne, auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte technische Infrastruktur sollen eine hohe Unterrichtsqualität gewährleisten.

- Die Wirtschaftlichkeit soll verbessert werden durch mehr Flexibilität in der Klassenbildung und durch die Bündelung der berufsspezifischen Infrastruktur.

- Der KMU und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV) wird im Rahmen seiner Berufsbildungskommission das Projekt begleiten und die Forderungen aus Sicht der Gewerbebetriebe formulieren.