Dieter Kläy
Dieter Kläy

Bundesbern führt Pflicht zu Lohnanalysen ein

04.10.2018

Vergangene Woche hat die Politik in Bern wieder mal eine neue Regulierung beschlossen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die hundert oder mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen, werden gemäss Entscheid des National- und Ständerats gesetzlich dazu verpflichtet, alle vier Jahre eine Lohngleichheitsanalyse durchzuführen und diese überprüfen zu lassen. Das Ergebnis ist zu publizieren. Mit der Revision des Gleichstellungsgesetzes soll die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann verwirklicht werden.

Gleichstellung ist ein zentrales Anliegen. Daran ist nicht zu rütteln. Die Frage ist nur, wie sie wirksam umgesetzt werden kann. Für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ist es eine ökonomische Notwendigkeit, gleiche Löhne für Frau und Mann zu zahlen, wie das die Bundesverfassung bereits heute vorschreibt. Diskriminierung ist ineffizient und wird vom Markt sanktioniert. Unterbezahlte Personen – egal ob Mann oder Frau – sind demotiviert und wechseln die Stelle. Die Folgen sind hohe Fluktuation, administrative Umtriebe und Rekrutierungskosten, die das Unternehmen tragen muss. Zudem werden in den nächsten Jahren werden mehr Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt verlassen als neu in den Arbeitsmarkt eintreten. Die Babyboomer gehen in Pension. Arbeits- und insbesondere die Fachkräfteknappheit werden zunehmen. Zusätzlich gilt seit 1. Juli 2018 die Stellenmeldepflicht, was die Position der Arbeitnehmenden bzw. Arbeitsuchenden zusätzlich stärkt.

Über die Ergebnisse der Lohngleichheitsanalysen haben die Unternehmen zu orientieren. Börsenkotierte Gesellschaften müssen das Ergebnis der Lohngleichheitsanalyse im Anhang der Jahresrechnung veröffentlichen. Ob diese Massnahmen zur geforderten Lohngleichheit führen, ist fraglich. Lohnunterschiede sind teilweise erklärbar z.B. durch unterschiedliche Berufserfahrungen und Unterbrüche der Berufsausübung oder sie lassen sich in Abhängigkeit von Ausbildung, Funktion uam. erklären. Ein grosser Anteil der Beschäftigten untersteht Lohnregelungen, die in Gesamtarbeitsverträgen durch die Sozialpartner ausgehandelt wurden und die geschlechterbedingte Lohndiskriminierungen ausschliessen.

Verstösse gegen die Lohngleichheit können bereits heute vor Gericht eingeklagt werden. Zudem gelten im öffentlichen Beschaffungswesen Lohngleichheitsdeklarationspflichten. Letztlich liegt es im Interesse der Unternehmen selbst, für die gleiche Leistung auch den gleichen Lohn zu bezahlen. Nur so können sie im Zuge einer wachsenden Fachkräfteknappheit ihr qualifiziertes Personal halten.

Die FDP unterstützt diese bürokratischen Analysen nicht. Sie haben trotzdem eine Mehrheit gefunden. Damit bleibt die administrative Entlastung der Unternehmen ein frommer Wunsch in den Sonntagsreden. Ein Lichtblick besteht. Das Gesetz ist auf 12 Jahre befristet. Man wird sehen, ob die Lohnanalysen halten, was sie versprechen. Aus heutiger Sicht ist das zu bezweifeln.

Dieter Kläy, Kantonsrat, FDP