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Ferieninitiative gefährdet KMU und ist ein Bumerang für uns alle
14.02.2012
Es klingt verführerisch. „6 Wochen Ferien für alle“ fordert der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse in einer eidgenössischen Volksinitiative. Der Kantonsrat und die Zürcher Stimmberechtigten haben bereits im letzten November eine Initiative abgelehnt, die den kantonalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 5 Wochen Ferien ermöglicht hätte. Nun steht die Forderung nach 6 Ferienwochen für alle zur Diskussion.
Wer einen höheren Ferienanspruch geniesst, sei weniger krank, wird argumentiert. Selbstverständlich wollen die Initianten die zusätzlichen Ferien bei gleichem Lohn. Zahlen sollen wieder einmal die anderen, nämlich die Arbeitgeber. Die Annahme der Initiative "6 Wochen Ferien für alle" würde bei unseren Unternehmen einen Kostenschub von geschätzt rund 6 Milliarden Franken pro Jahr verursachen. 88 Prozent der Schweizer Firmen haben weniger als zehn Angestellte. Gerade KMUs und Mikrobetriebe können längere Abwesenheiten und das dadurch fehlende Know-how schlechter kompensieren als grössere Firmen. Zudem machen der starke Franken und die weltweite wirtschaftliche Abkühlung unseren Unternehmen bereits heute schwer zu schaffen. Die Initiative kommt zur Unzeit.
Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geniessen bereits heute grosszügigere Ferienregelungen. 1,7 Millionen Angestellte unterstehen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelten Gesamtarbeitsverträgen, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen und auch optimal auf die Bedürfnisse der Branchen und Firmen abgestimmt sind. Die Ferieninitiative würde diese hundertjährige sozialpartnerschaftliche Tradition aushöhlen.
Es ist arbeitsmedizinisch erwiesen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zweimal pro Jahr eine längere Pause brauchen. Mit der heutigen gesetzlichen Regelung von vier Ferienwochen ist das möglich. Allerdings haben bereits heute viele Mitarbeitende mehr Ferien als es das Obligationenrecht im Minimum vorschreibt. Das Bundesamt für Statistik weist die durchschnittlichen Ferien bei 20 bis 49-Jährigen im Jahr 2010 mit 4,8 Wochen und bei über 50-Jährigen gar mit 5,4 Wochen aus. Die Behauptung der Initianten, den Beschäftigen in der Schweiz fehle die nötige Erholungszeit, steht klar im Gegensatz zu den Studien über die Arbeitszufriedenheit und die Absenzen. Von einem Feriendefizit der Beschäftigten kann keine Rede sein.
Die These, dass mehr Ferien Krankheitstage reduzieren, lässt sich nicht stützen. Das Gegenteil ist der Fall. Internationale Studien zeigen, dass die Zahl der Ferientage keinen Einfluss auf die Absenzen wegen Krankheit hat. Finnland kennt 40 bezahlte Ferien- und Feiertage und verzeichnet im Schnitt 8,5 Fehltage pro Mitarbeiter. Frankreich kennt ebenfalls 40 bezahlte Tage bei 5,5 krankheitsbedingten Ausfällen pro Mitarbeiter im Jahr. Mit je 35 Ferientagen folgen Portugal und Norwegen, die 8,6 bzw. 7,1 Fehltage ausweisen. Am wenigsten fehlen die Schweizer und die Iren mit 4 Tagen, obwohl in beiden Ländern lediglich 29 bezahlte Ferien- und Feiertage anfallen.
Mehr Ferien erweisen sich bei genauerer Betrachtung sogar als Bumerang für die Arbeitnehmer selbst. Denn vermehrte Absenzen von Arbeitskollegen und zusätzliche eigene Ferienwochen bringen für den Arbeitnehmer mehr Stellvertretungen und zusätzlichen Stress vor und nach den eigenen Ferien.
All diese Gründe zeigen: Ein Nein ist die einzig richtige Antwort auf diese Initiative. Ich bin mir sicher, dass die Stimmberechtigten eine gesamtheitliche Betrachtung vornehmen und die Ferieninitiative am 11. März bachab schicken.
Dieter Kläy, Kantonsrat, Winterthur
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