Dieter Kläy
Dieter Kläy

Gewinn für Ausbildner und Lernende

15.11.2018

Die Betriebe haben ein ureigenes Interesse, qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. Die "BM 1 flex" kombiniert die Berufsmaturität (BM 1) mit der dreijährigen Lehre neu. Nach drei Jahren schliessen die Lernenden die Lehre ab. Im vierten Lehrjahr gehen sie ihrem Beruf nach und schliessen die BM ab. 

Dieter Kläy

Berufsbildungspolitisch ist der Kanton Zürich gut aufgestellt. Das zeigt nicht nur der im Februar dieses Jahres publizierte Bildungsbericht, sondern auch die breitgefächerten Anstrengungen, die die Verbundpartner im Kanton unternehmen, um die Berufsbildung attraktiv zu gestalten. Dass über 90% der Jugendlichen im Alter von 25 Jahren eine abgeschlossene Berufslehre oder einen Gymiabschluss haben, zeugt vom Engagement aller Beteiligten. Dazu gehören neben den schulischen Institutionen insbesondere die Lehrbetriebe und die Branchenverbände.

Berufsmatura als Chance

Der KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich und seine Berufsbildungsverbände engagieren sich dafür, möglichst vielen Jugendlichen die Vorzüge der Berufslehre und deren Möglichkeiten nach Erhalt des Fähigkeitszeugnisses näher zu bringen. Leistungsschwächere Jugendliche können dank der zweijährigen Lehre (EBA) im beruflichen Alltag besser Fuss fassen. Die höhere Berufsbildung wird dank breitem Spektrum an Höheren Fachschulen (HF) ebenfalls attraktiver. Im Vergleich zu vor 10 Jahren absolvieren heute insgesamt mehr Jugendliche eine Berufsmaturität (berufsbegleitende BM 1 oder BM 2 im Anschluss an die berufliche Grundbildung), auch wenn die BM 1, die während der Lehre absolviert wird, einen Rückgang verzeichnet.   

Guter Nachwuchs gefragt

Diesem Trend muss Gegensteuer gegeben werden, haben doch die Branchen und die Betriebe ein ureigenes Interesse daran, langfristig nicht nur fachlich den beruflichen Nachwuchs sicherstellen zu können, sondern für zahlreich zu besetzende Funktionen in den Betrieben auch über genügend Fachleute und Kader zu verfügen. Die Branchen benötigen gut ausgebildeten, fachlichen Nachwuchs. Deshalb hat sich der KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich in den letzten Jahren auch für die Förderung der Berufsmaturität engagiert. Da für viele Jugendliche die Doppelbelastung Berufsmaturitätsunterricht und Ausbildung im Betrieb eine grosse Herausforderung ist, hat der Kanton Zürich zu Beginn 2018 das Modell "BM 1 flex" lanciert. Damit soll Jugendlichen mehr Zeit für die Berufsmaturität eingeräumt werden.

Für dreijährige Lehren

Die BM 1 flex macht vor allem bei dreijährigen Lehren Sinn. Die Flexibilisierung besteht darin, dass bei sämtlichen Modellen die Unterrichtszeit an der BMS über die Dauer der Lehre hinaus verlängert wird. Der BM­Stoff wird auf vier Jahre verteilt. Für die Lernenden bedeutet dies, dass sie mehr Zeit erhalten, die Lerninhalte zu bewältigen und das Qualifikationsverfahren (Lehrabschlussprüfung) und die BM-Prüfungen in unterschiedlichen Jahren absolviert werden können. Das erlaubt den Lernenden sich auf die jeweiligen Prüfungen zu konzentrieren.

BBW Winterthur führend

Bislang wurden für Laboranten der Fachrichtungen Biologie, Chemie, Farbe und Lack, gewerblich-industrielle Berufe wie Maurer, Plattenleger, Forstwarte, Gärtner und Landwirte sowie für die Fachfrau bzw. den Fachmann Betreuung und den Lebensmitteltechnologen bzw. der Lebensmitteltechnologin neue Ausbildungsmodelle entwickelt. Federführend in der Entwicklung und Umsetzung ist die Berufsmaturitätsschule Winterthur (BBW). Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass die neuen Modelle für die Lernenden tatsächlich eine Entlastung bringen. Bei den Laboranten wird nur noch das neue Modell gewählt, während in anderen Branchen noch vermehrt Informationsbedarf besteht.

Wichtig für Arbeitgebende

Vereinbarungen mit Lernenden, die über die Lehrzeit hinausgehen, sind nicht rechtsgültig. Es muss ein neuer Arbeitsvertrag abgeschlossen werden. Für den Arbeitgeber ergeben sich aber trotzdem Vorteile. Die dreijährige Lehre endet nach Absolvieren des Qualifikationsverfahrens (Lehrabschlussprüfung). Während der dreijährigen Lehre ergeben sich mit dem Modell BM 1 flex 40 bis 60 zusätzliche Arbeitstage, während denen der bzw. die Lernende im Betrieb ist. Nach Abschluss der Lehre während des 4. BMS-Jahres ist eine Berufstätigkeit als ausgelernte Fachkraft möglich. Da der BMS-Unterricht in den verschiedenen Lehrjahren an unterschiedlichen Tagen stattfinden kann, kann ein Betrieb mehrere BM-Lernende nach dem Modell BM flex parallel ausbilden, weil die Lernenden an unterschiedlichen Tagen eingesetzt werden können.

Insgesamt bietet das Modell BM 1 flex sowohl für Lernende wie auch für Arbeitgeber bzw. Ausbildner Vorteile.

 

Box

Neues Ausbildungsmodell für Fachmann / Fachfrau Betreuung

Ende August 2018 startete an der Berufsmaturitätsschule Winterthur (BBW) ein neues flexibles Ausbildungsmodell für angehende Fachmann/Fachfrau Betreuung (FaBe). Die dreijährige Lehre wird mit einem vierjährigen Besuch der BMS kombiniert. Nach drei Jahren schliessen die FaBes ihre Lehre ab. Im vierten Jahr können sie als ausgelernte Fachpersonen ihrem Beruf nachgehen. Daneben besuchen sie die BMS einen Tag pro Woche. Dank dieser Aufteilung erhöht sich die Ausbildungszeit im Betrieb um 40 Tage. Das neue Modell wurde nach einer grossen Praxisumfrage der OdA Soziales Zürich gemeinsam erarbeitet. Es bietet bedeutende Vorteile. Die Lerninhalte der BMS verteilen sich besser über vier Jahre, das Qualifikationsverfahren und die BM-Prüfungen müssen nicht gleichzeitig absolviert werden. Die BMS Winterthur ergänzt damit ihr Angebot an flexiblen Ausbildungsmodellen, die bei Laborant/innen bereits ab 2015 erfolgreich eingeführt wurden.