Dieter Kläy
Dieter Kläy

Nein zur Volksinitiative «Lehrplan vors Volk»

25.01.2018

Die kantonale Volksinitiative «Lehrplan vors Volk», die am 4. März 2018 zur Abstimmung kommt, will, dass Änderungen des Lehrplans neu vom Kantonsrat genehmigt und dem fakultativen Referendum unterstellt werden. Im Falle eines Referendums käme es zu einer Volksabstimmung. Der Lehrplan ist die Grundlage für den Schulunterricht, die Entwicklung der Lehrmittel und die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen.

Harmonisierung ist sinnvoll

2008 hat die Schweizer Stimmbevölkerung mit 63% der Stimmen dem HarmoS-Konkordat zugestimmt. Auch der Kanton Zürich hat sich für die Vorlage ausgesprochen. Dieses Konkordat setzt sich zum Ziel die obligatorische Schulbildung in der Schweiz und die Lehrpläne zu harmonisieren. Qualität und Durchlässigkeit des Systems sollen gesichert und Mobilitätshindernisse abgebaut werden. Begrüssenswert ist die Harmonisierung der Lehrpläne zum Beispiel als Grundlage für die Entwicklung von Lehrmitteln, die in der ganzen Deutschschweiz eingesetzt werden können. Sie erleichtert die Mobilität von Schülerinnen und Schülern und ermöglicht einen nahtlosen Übergang in die Sekundarstufe II auch über die Kantonsgrenzen hinweg. In den meisten Kantonen wird der Lehrplan in den nächsten ein bis zwei Jahren eingeführt, im Kanton Zürich geplant auf das Schuljahr 2018/2019.  

Annahme der Initiative wäre ein Rückschritt

Heute liegt im Kanton Zürich die Kompetenz über den Lehrplan beim Bildungsrat, ein Fachgremium, das alle vier Jahre vom Kantonsrat gewählt wird. Dies hat den Vorteil, dass der Lehrplan in einem vernünftigen Zeitrahmen den gesellschaftlichen und fachlichen Entwicklungen angepasst und bei Bedarf teilrevidiert werden kann. Würde die Initiative angenommen, müsste der Lehrplan oder Änderungen an ihm vom Kantonsrat genehmigt werden. Eine Kantonsratsdebatte über die Inhalte des Lehrplans ist nicht stufengerecht. Je nach politischer Grosswetterlage würde der Lehrplan zum Spielball punktueller politischer Befindlichkeiten werden. Würde der Kantonsrat den LP 21 ablehnen, bliebe er bis zur Ausarbeitung eines neuen trotzdem gültig. Wie lange es dauert, eine neue, politisch akzeptierte Version auszuarbeiten, ist nicht klar. Insgesamt würde das grosse Unsicherheit in den Schulen und bei den Eltern bringen. Um zielgerichtet ausbilden zu können, brauchen die Schulen Stabilität.

Ein Nein zur Initiative ist im Sinne des Gewerbes

Auf gesamtschweizerischer Ebene haben die Wirtschaftsverbände die Einführung eines deutsch-schweizerischen Lehrplanes unterstützt mit der Forderung, dass die berufliche Orientierung und die Ausrichtung der Fächer auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgerichtet werden. Im Kanton Zürich profitiert die Wirtschaft hinsichtlich Lektionentafel insbesondere von der Stärkung der Fächer Berufliche Orientierung, Wirtschaft, Arbeit, Haushalt sowie von den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Kommt dazu, dass die berufliche Orientierung nicht ausschliesslich an ein Fach gebunden ist, sondern die Schülerinnen und Schüler in anderen Fachbereichen wie z.B. Deutsch sich mit der Berufswelt auseinandersetzen können. Die Annahme der Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» wäre ein Rückschritt. Die Initiative ist abzulehnen.   

Dieter Kläy, Kantonsrat FDP