Dieter Kläy
Dieter Kläy

Temporärarbeit ist integrierend

07.06.2019

Bereits im Sommer 2017 wollte der Kanton Genf im Reglement über das öffentliche Beschaffungswesen eine Quote für Temporärarbeitende einführen und die Auftragsvergabe auf Bauunternehmen mit 80% oder mehr Festpersonal beschränken. Der nationale Branchenverband der Personaldienstleister, swissstaffing, machte wegen der Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit einen Rekurs, der vom Genfer Verfassungsgericht gutgeheissen worden ist. Jetzt fordert auf nationaler Ebene der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB eine Beschränkung der Temporärarbeit. Der SGB verlangt, dass Bund und Kantone Obergrenzen für den Temporäranteil im Beschaffungswesen festlegen und dass Temporäre «maximal für sechs Monate einem Einsatzbetrieb überlassen werden» dürfen. Eine solche Forderung ist nicht nur inhaltlich fragwürdig, sondern mit Blick auf die Beschäftigungschancen von älteren Arbeitnehmenden auch widersprüchlich. Arbeitnehmende über 50 Jahre benötigen im Durchschnitt mehr Zeit, wieder eine Anstellung zu finden, sollten sie ihren Job verloren haben. Private Stellenvermittler und Verleihfirmen können ihnen neue Chancen bieten sich in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren. Rund 900 Schweizer Personaldienstleister vermitteln jedes Jahr etwa 100 000 Feststellen und integrieren mehr als 300 000 Menschen über die Temporärarbeit in das Erwerbsleben. Für einen Stellensuchenden hat Verleiharbeit nicht nur eine Brückenbauerfunktion. Betroffene erhalten darüber hinaus Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten. Mit temptraining stehen den Temporärarbeitenden Weiterbildungsmöglichkeiten über den GAV Personalverleih offen. Damit können allfällige Defizite während einer Temporärarbeitsphase parallel aufgearbeitet werden. Personalberater können helfen, die richtige Weiterbildungsentscheidung zu treffen.

 Dieter Kläy, Ressortleiter

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