Dieter Kläy
Dieter Kläy

Verkehrsträger stärker vernetzen

08.03.2019

Multimodale Mobilitätsangebote können Mobilitätsbedürfnisse besser und gezielter befriedigen und Verkehrsinfrastrukturen besser nutzen.

Heute vertreiben Mobilitätsanbieter ihre Dienstleistungen auf eigenen, getrennten Kanälen. Wer mit dem Zug fährt, kauft das Ticket beim ÖV-Anbieter (z.B. SBB). Das Taxi bestellt der Fahrgast über die lokale Taxizentrale und den Mietwagen beim Autoverleiher. Der Kunde nimmt das Mobilitätsangebot fragmentiert wahr. Ihm ist es überlassen, die Angebote für seine Reise einzeln zu buchen und zu kombinieren. Dank der Digitalisierung sollen Mobilitätsangebote künftig einfacher vernetzt werden können. Multimodale Mobilitätsdienstleistungen können Mobilitätsbedürfnisse besser und gezielter befriedigen und Verkehrsinfrastrukturen besser nutzen. Natürliche Ressourcen werden geschont und die Energieeffizienz steigt.

Eine Reise – eine Buchung

Reisende mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln wie Auto, Taxi, Ortsbus oder Mietvelo können heute nicht alles auf einer Plattform buchen. Der Zugang zu Daten und Vertriebssystemen ist eingeschränkt. Mit einer Änderung des Personenbeförderungsgesetzes will der Bundesrat nun die Vertriebssysteme aller Mobilitätsanbieter öffnen und die Rahmenbedingungen klären, unter welchen Dritten Zugang zum Vertrieb von öV-Angeboten gewährt werden kann. Dazu sollen Verfügbarkeit und Austausch der nötigen Sachdaten (Preisdaten, Betriebsdaten, Geodaten etc.) aller Mobilitätsanbieter verbessert werden. Ziel soll es sein, mit einem «Klick» eine spezifische Reiseoption mit verschiedenen Verkehrsmitteln buchen und bezahlen zu können.

Mobilitätsvermittler erhalten Zugriff auf die öV-Vertriebsinfrastruktur

Die Vorlage, die sich bis Ende März noch in der Vernehmlassung befindet, regelt die Schnittstelle des öffentlichen Verkehrs zu weiteren Mobilitätsanbietern und Dienstleistern. Dritten soll unter klar definierten Bedingungen Zugang zum Vertrieb von öV-Angeboten gewährt werden. Genehmigungspflichtige Branchenregelungen sollen das konkretisieren. Mit multimodalen Mobilitätsdienstleistungen kann besser auf das individuelle Bedürfnis der Kundschaft eingegangen und das Gesamtverkehrssystem insgesamt optimaler genutzt werden.

Freie Wahl des Verkehrsmittels gewährleisten

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv unterstützt innovative Geschäftsmodelle im Bereich der Personenbeförderung. Zu hinterfragen ist höchstens die Absicht, dass mit RailCom die staatliche Struktur ausgebaut werden soll. Zudem muss die freie Wahl des Verkehrsmittels gewährleistet sein. Es darf keinesfalls darum gehen, eine bestimmte Art der Fortbewegung wie den ÖV zu fördern und andere – etwa den motorisierten Individualverkehr MIV – zu behindern..

Dieter Kläy, Ressortleiter