Bildungswege nicht gegeneinander ausspielen
09.02.2016
Im Zuge der Budgetdebatten und des vom Regierungsrat angekündigten Sanierungspaketes werden auch Forderungen wie z.B. die Aufhebung des Langzeitgymnasiums aufgestellt. Begründet wird die Radikalforderung mit
Chancengleichheit, mit der Stärkung der Sekundarschule und mit der Förderung der Berufsbildung. Das Kind mit dem Bade ausschütten bringt aber nichts. Die einzelnen Bildungswege sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Optimierungsbedarf ist dennoch vorhanden.
Der Kantonsrat diskutierte im Rahmen der Budget- und KEF-Debatte (Konsolidierter Entwicklungs- und Finanzplan) die Frage, wie viele Schülerinnen und Schüler nach der Primarschule direkt ins Langgymnasium gehen sollen. Zunehmend mehr Jugendliche wählen nach der Primarschule diesen Weg. In den letzten zehn Jahren hat sich dieser Anteil von 52 auf 60% erhöht. Noch 40% der Gymnasiasten wählen den Weg über die Sekundarschule und das Kurzgymnasium. Diese Entwicklung zeigt, dass das Langgymnasium ein Erfolgsmodell ist. Zwar sind aus liberaler Sicht Quoten abzulehnen. Die Frage ist aber durchaus berechtigt, ob der Trend zu immer mehr Gymnasiasten und Gymnasiastinnen wirklich wünschbar ist. Der Kantonsrat hat einem Wirkungsindikator zugestimmt, der den Anteil der Eintritte in die gymnasialen Mittelschulen über das Langgymnasium zu den Eintritten über die Sekundarschule in Beziehung setzt. Der Wert soll von heute 60% schrittweise auf 50% im Jahre 2019 gesenkt werden.Gesteuert werden kann das über die Aufnahmeprüfung. Mit diesem Entscheid soll der wachsende Trend ans Langgymnasium gestoppt werden. Auf die Maturitätsquote hat das keinen Einfluss. Der Weg ans Kurzeitgymnasium steht weiterhin offen.
Nein zur Abschaffung des Langgymnasiums
Linksalternative Kreise und Grüne liebäugeln nun mit der immer wieder diskutierten Idee, das Langgymnasium ganz abzuschaffen. Begründet wird der Radikalschnitt mit Chancengleichheit. Sie sehen das Langgymnasium als zu elitär. Es würde soziale Trennwände aufbauen und die soziale Abschottung fördern. Diese Argumentation ist abzulehnen. Das Langzeitgymnasium ist wertvoll vor allem für jene Schülerinnen und Schüler, die bereits früh viel Neugierde und ein genügend grosses Mass an Biss aufweisen, sich diese Aufgabe zuzumuten. Jene, die das nicht haben oder noch nicht wollen, haben immer noch die Option des Kurzgymnasiums. Das Wesen unseres Schulsystems soll Kinder und Jugendliche dort abholen, wo sie stehen und entsprechend fördern. Dazu gehören sowohl das Lang- wie auch das Kurzgymnasium.
Berufsmaturität als Alternative
Begründet wird die Abschaffung des Langgymnasiums aber auch mit der Förderung der Berufsbildung. Es kann aber nicht darum gehen, einzelne Bildungswege gegeneinander auszuspielen. Gleichwohl macht es Sinn, leistungsstarken
Schülerinnen und Schülern die Option der Berufsmatura vor Augen zu führen.Die Berufsmaturität öffnet Jugendlichen Türen, indem sie die berufliche Grundbildung mit einer erweiterten Allgemeinbildung ergänzt, zum prüfungsfreien Zugang zu einer Fachhochschule berechtigt und den beruflichen Nachwuchs sicherstellt. Im Kanton Zürich ist der Anteil der BM 1 Schülerinnen und Schüler (Berufsmatura während der Lehre) rückläufig. Zwar hat die Anzahl der BM-Abschlüsse im Kanton Zürich zwischen 2004 und 2013 zugenommen. Doch dies ist auf die starke Zunahme bei der BM 2 (Berufsmatura im Anschluss an die Lehre) zurückzuführen. Die BM 1 zeigte in diesen zehn Jahren eine negative Entwicklung. Die rückläufigen BM 1-Anteile variieren in den ausgewählten Berufen im Kanton Zürich zwischen 2% und 40%. Einzelne Kantone weisen in diesen Berufen deutlich höhere BM 1-Anteile auf. Dieser Befund verlangt nach einer Reaktion. Mit einem von der FDP mitunterzeichneten Postulat wird der Regierungsrat aufgefordert, Massnahmen zu ergreifen, um den Zugang zur Berufsmaturität für geeignete und motivierte Jugendliche zu fördern. Dabei muss es insbesondere darum gehen, Schülern, die ans Gymnasium wollen, die Vorzüge einer Berufsmaturität, der Abschluss einer anerkannten Berufsausbildung und die Option, eine höhere Berufsausbildung zu absolvieren oder an eine Fachhochschule oder Universität zu wechseln, aufzuzeigen. Die wahre Wahl hat, wer diesen Weg beschreitet.
Dieter Kläy, Kantonsrat FDP, Winterthur