Dieter Kläy
Dieter Kläy

Ein Bärendienst für die Jugendlichen

07.03.2014
Die Mindestlohninitiative nimmt Jugendlichen vor dem Berufseinstieg Perspektiven und erschwert Menschen den Wiedereinstieg ins Berufsleben, weil mit einem staatlich diktierten Mindestlohn entweder die Stellen ganz verschwinden oder die Schwelle für eine Festanstellung in unerreichbare Höhen geschraubt wird. Damit trifft die Mindestlohninitiative genau jene, welche die Initianten angeblich schützen wollen.
Täglich beweist der Arbeitsmarkt in der Schweiz seine Integrationsleistung. Er verfügt über ein Netz von weitreichenden sozialen Sicherheiten. Die Arbeitslosenversicherung ist intakt und hilft Arbeitslosen über die Runden mit dem Ziel, sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Schweiz hat die höchste Beschäftigungsquote, eine sehr tiefe Arbeitslosenrate und praktisch keine Jugendarbeitslosigkeit. Diese Vorteile werden jetzt mit der Mindestlohninitiative aufs Spiel gesetzt.
Hürde für Berufseinstieg wir massiv hochgeschraubt
Gerade dank Einstiegsmöglichkeiten über Stellen im Tieflohnbereich bietet die Schweiz jungen Leuten Karrierechancen wie kaum anderswo. Die Durchlässigkeit der Lohnsysteme in der Schweiz ist intakt und die Wanderung zwischen den Lohnklassen im internationalen Vergleich gut ausgeprägt. Der flexible Arbeitsmarkt mit seinen liberalen Grundsätzen der Lohnbildung zeigt seine Qualitäten sowohl in der Hochkonjunktur als auch in Zeiten konjunktureller Schwäche. Die Mindestlohninitiative nimmt Jugendlichen, die vor dem Berufseinstieg stehen, die Perspektiven und erschwert Wiedereinsteigern und Wiedereinsteigerinnen die Rückkehr ins Berufsleben. Dies weil mit einem staatlich diktierten Mindestlohn entweder die Stellen ganz verschwinden oder die Schwelle für eine Festanstellung mit dem gesetzlich vorgegebenen Mindestlohn in unerreichbare Höhen geschraubt wird. Damit legt die Mindestlohninitiative weniger gut Qualifizierten unnötig Steine in ihren Weg in den Arbeitsmarkt und baut Hürden auf, wo es keine geben sollte. Ein unflexibler staatlich diktiert Mindestlohn von weltweit einmalig hohen 22 Franken pro Stunde grenzt diese Leute aus.
Schädlich für Studierende
Auch Studierende, die einen Ferienjob suchen, würden unter dem staatlich diktierten Mindestlohn leiden. Studenten, die temporär arbeiten, können und sollen nicht gleich viel verdienen, wie Festangestellte. Die Firmen würden bei einer Annahme der Mindestlohninitiative keine Jobs mehr für Studierende anbieten, zum direkten Schaden der jungen Generation, die über diesen Weg ihre Ausbildung mitfinanzieren muss.  
Schadet der dualen Berufsbildung
Der dualen Berufsbildung schadet die Mindestlohninitiative, weil die Motivation für eine Berufslehre und eine Weiterbildung ausgehebelt wird. Unserem dualen Berufsbildungssystem verdanken wir eine tiefe Arbeitslosigkeit. Bildung und Weiterbildung schützen vor Armut und nicht ein staatlich diktierter Mindestlohn. Wenn schon ein Schulabgänger 4000 Franken pro Monat verdient, werden viele Jugendliche gar keine Berufslehre mit deutlich tieferem Lohn mehr absolvieren und begeben sich damit als Ungelernte direkt in die Armutsfalle. Derselbe Jugendliche, der sich heute in einer Lehre und mit einem Lohn von 700 Franken für seine berufliche Zukunft ausbilden lässt, soll bei einem direkten Berufseinstieg ohne Lehre mit dem staatlich diktierten Mindestlohn gleich als Schulabgänger 4000 Franken verdienen – mit 16 Jahren wohlverstanden. Wenn sich zwei Junge dann noch zusammentun und so gemeinsam 8000 Franken verdienen, können beide davon locker leben und erachten es kaum mehr für sinnvoll, eine Ausbildung zu machen. Sinkt die Ausbildungsbereitschaft, erhöht sich bei niedrig- oder unqualifizierten Arbeitskräften die Arbeitslosigkeit. Langfristig kann sich das verheerend auf ihre Arbeitsmarktfähigkeit breiter Bevölkerungsschichten und auf die Gesellschaft insgesamt auswirken. Was soll die Betriebe motivieren, beispielsweise zweijährige Attestausbildungen anzubieten, wenn sie den Abgängern direkt nach der Ausbildung 4000 Franken bezahlen müssen? Die Wertschöpfung, die diese Abgänger erbringen, ist je nachdem deutlich tiefer.
Sozialpolitischer Bumerang
Die Mindestlohninitiative entpuppt sich als sozialpolitischen Bumerang, weil sie die Arbeitsmarktintegration und den Berufseinstieg erschwert und das duale Berufsbildungssystem unterläuft. In der Konsequenz riskieren wir Entlassungen und mehr Arbeitslosigkeit. Die Initiative ist deshalb abzulehnen.
Dieter Kläy, Ressortleiter Arbeitsmarkt