Ja zur Wahl zwischen Kindergarten und Grundstufe
23.10.2012
Die Ende November zur Abstimmung kommende kantonale Volksinitiative für die Weiterentwicklung der Kindergartenstufe „prima-Initiative“ verlangt eine flächendeckende Einführung der Grundstufe in allen Gemeinden. Dieser Initiative steht ein Gegenvorschlag des Kantonsrates gegenüber, der es den Gemeinden überlassen will, ob sie die obligatorische Schulzeit mit zwei Kindergartenjahren beginnen wollen oder mit der Grundstufe. Die FDP will den Entscheid den Gemeinden überlassen und unterstützt den Gegenvorschlag des Kantonsrates.
Die „prima-Initiative“ verlangt die Neugestaltung des Schuleintritts im Sinne der Grundstufe. Die Kindergartenstufe soll durch die Grundstufe, die beide Kindergartenjahre und die erste Klasse der Primarschule umfasst, abgelöst werden. In der Regel dauert die Grundstufe drei Jahre. Der Übertritt in die zweite Primarklasse kann aber auch schon nach zwei Jahren oder erst nach vier Jahren erfolgen, je nach persönlicher Entwicklung des Kindes. In der Grundstufe findet der Unterricht in altersgemischten Gruppen statt. Der Übergang vom spielerischen Lernen (Kindergarten) zum systematischen Lernen (Primarschule) erfolgt fliessend. Da die Kinder in der Grundstufe während rund der Hälfte der Unterrichtszeit gemeinsam von je einer Lehrperson aus der Kindergarten- und der Primarstufe unterrichtet werden, entstehen für Kanton und Gemeinden Zusatzkosten von rund 62 Millionen Franken pro Jahr.
Vorteile der Grundstufe
Nicht alle Kinder sind am Übergang von Kindergarten in die Primarschule auf dem gleichen Entwicklungsstand. Es gibt Kinder, die in ihrer Entwicklung schneller sind und solche, die langsamer sind. Diesem Umstand soll die Grundstufe mit einem fliessenden Übergang vom Kindergarten in die Primarschule Rechnung tragen. Weil das Grundstufenkonzept von den individuellen Voraussetzungen und der Lernbereitschaft der Kinder ausgeht, steht die FDP der Idee der Grundstufe positiv gegenüber. Seit 2004 wird die Grundstufe in 27 Gemeinden erprobt. Die am Schulversuch beteiligten Schulen ziehen eine positive Bilanz und möchten auch in Zukunft an diesem Modell festhalten. Die Grundstufe verursacht aber auch höhere Kosten. Rund die Hälfte der Unterrichtszeit werden die Kinder von zwei Lehrpersonen unterrichtet. So müssten bei der wie von der prima-Initiative geforderten flächendeckenden Einführung 350 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen werden. Von den jährlichen Mehraufwendungen von 62 Millionen Franken tragen die Gemeinden fast 50.
Freie Wahl der Gemeinden ist besser
Als Gegenvorschlag zur prima-Initiative mit flächendeckender Einführung der Grundstufe im ganzen Kanton empfehlen FDP und Kantonsrat eine freiwillige Einführung durch die Gemeinden. Die Gemeinden sollen die Möglichkeit haben, zwischen der Kindergarten- und der Grundstufe zu wählen. Gemeinden,
die seit 2004 die Grundstufe kennen, können diese Organisationsform
weiterführen. Andere müssen nicht umstellen. Das gewählte Modell gilt während
mindestens sechs Jahren. Damit wird verhindert, dass durch häufige Wechsel in
der Organisation Umtriebe und Unruhe im Schulbetrieb entstehen. Die Kantone
Bern und Luzern kennen bereits eine flexible Lösung in diesem Sinne.
FDP für Flexibilität
Der auch von der FDP getragene und geprägte Gegenvorschlag ermöglicht den Gemeinden mehr Autonomie. Denkbar ist sogar, dass in einer Gemeinde sowohl der Kindergarten als auch die Grundstufe geführt werden, vor allem wenn unterschiedliche Schuleinheiten bestehen wie z.B. eine grosse Schule im Zentrum und kleine in Aussenwachten. Auch Winterthur kennt beide Modelle. Im Sinne einer massgeschneiderten Lösung ist die prima-Initiative abzulehnen und dem Gegenvorschlag des Kantonsrats zuzustimmen.
Dieter Kläy, Kantonsrat