Kantonsrat überweist Postulat zur Förderung der Berufsmaturität
29.09.2015
Der Kantonsrat hat letzte Woche ein von der FDP mitgetragenes Postulat zur Förderung der Berufsmaturität an den Regierungsrat überwiesen. Für geeignete
und motivierte Jugendliche soll der Zugang zur Berufsmaturität gefördert
werden. Nur die SVP stimmte, abgesehen von einer Ja-Stimme und einigen
Enthaltungen, grossmehrheitlich gegen das Anliegen.
Dieses Jahr blieben im Kanton Zürich rund 1000 Lehrstellen unbesetzt. Mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative vergangenes Jahr dürfte sich der
Kampf um Fachkräfte noch verschärfen. Die Wirtschaft wird künftig weniger Fachleute aus dem Ausland rekrutieren können und ihren Bedarf an Spezialistinnen und Spezialisten vermehrt aus dem Inland decken müssen. Doch diese müssen zuerst ausgebildet werden. Gleichzeitig ist der Trend ans Gymnasium nach wie vor ungebrochen. Eine Ausweitung der Mittelschülerquote macht angesichts der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wenig Sinn. Schulabgängerinnen und Schulabgänger bieten sich mit der Berufslehre und der Berufsmaturitätsalternative und valable Anschlusslösungen mit langfristigen Perspektiven.
Berufsmaturität als Königsweg
Die Berufsmaturität öffnet Jugendlichen Türen, indem sie die berufliche Grundbildung mit einer erweiterten Allgemeinbildung ergänzt, zum prüfungsfreien Zugang zu einer
Fachhochschule berechtigt und den beruflichen Nachwuchs sicherstellt. Entsprechend sollte die Stärkung der Berufsmaturität während der beruflichen Grundbildung (BM 1)
oder nach Abschluss der Berufslehre (BM 2) im Interesse der verschiedenen Branchen liegen. Können anspruchsvolle Lehrstellen nicht mehr besetzt werden, werden diese langfristig verschwinden und die Berufsbildung wird geschwächt.
Sinkender Trend in der BM 1 im Kanton Zürich
Eine kürzlich publizierte Studie bestätigt den vermuteten Trend, wonach im Kanton
Zürich der Anteil der BM 1 Schülerinnen und Schüler rückläufig ist. Der Bericht zeigt die Entwicklung der Zürcher Berufsmaturität der letzten zehn Jahre im nationalen
und im kantonalen Vergleich. Zwar hat die Anzahl der BM-Abschlüsse im Kanton Zürich zwischen 2004 und 2013 zugenommen. Doch dies ist auf die starke Zunahme bei der BM 2 zurückzuführen. Die BM 1 zeigte in diesen zehn Jahren eine negative Entwicklung Die rückläufigen BM 1-Anteile variieren in den ausgewählten Berufen im Kanton Zürich zwischen 2% und 40%. Einzelne Kantone weisen in diesen Berufen deutlich höhere BM 1-Anteile auf. Dieser Befund verlangt Massnahmen.
Forderungen
Mit einem von der FDP mitgetragenen Postulat wird der Regierungsrat aufgefordert, Massnahmen zu ergreifen, um den Zugang zur Berufsmaturität für geeignete und motivierte Jugendliche zu fördern. Dabei sollte gezielt dem Trend begegnet werden, dass der Anteil der lehrbegleitenden (BM 1) abnimmt und immer mehr junge Erwachsene die Berufsmaturität erst nach Abschluss der Lehre in Angriff nehmen wollen bzw. können (BM 2). Die hohen Abbruchquoten bei der BM 1 sollten kritisch analysiert und mit geeigneten Massnahmen reduziert werden. Dabei soll auch eine Verwendung des Berufsbildungsfonds für die Finanzierung von Projekten und Kampagnen zugunsten der Berufsmaturität und/oder für die Entlastung jener Lehrbetriebe in Betracht gezogen werden, welche wesentlich zur Förderung der Berufsmaturität beitragen. Insgesamt geht es darum:
Jugendliche und deren Eltern bzw. Bezugspersonen durch
die Berufsberatung und die Lehrpersonen der Sekundarstufe I für die
Attraktivität der BM 1 und die sich daraus ergebenden
Laufbahnmöglichkeiten zu sensibilisieren.
Lehrbetriebe durch die Branchenverbände bzw. die
Organisationen der Arbeitswelt (OdA) über die Attraktivität der BM 1 und
deren Potenzial zu informieren.
Alternative Ausbildungsmodelle, wie zum Beispiel
modularer, blockweiser Unterricht und flexibler
Eintritt in die BM 1 während des ersten Ausbildungssemesters zu prüfen.
Auch Ausbildner und Eltern gefordert
Alle Branchen werden sich in Zukunft vermehrt anstrengen müssen, um genügend guten beruflichen Nachwuchs finden zu können. Gefordert sind in erster Linie auch die Ausbildnerinnen und Ausbildner, talentierten Nachwuchs zu motivieren und zu fördern. Die Eltern tragen dazu bei, indem sie ihren Kindern den Wert einer Berufslehre mit Berufsmaturität näher bringen.
Dieter Kläy, Kantonsrat (FDP)