Dieter Kläy
Dieter Kläy

Mindestlohninitiative verbaut Jungen Berufseinstieg

25.02.2014
Die Mindestlohninitiative nimmt Jugendlichen vor dem Berufseinstieg Perspektiven und erschwert Menschen den Wiedereinstieg ins Berufsleben, weil mit einem staatlich diktierten Mindestlohn entweder die Stellen ganz verschwinden oder die Schwelle für eine Festanstellung in unerreichbare Höhen geschraubt wird. Damit trifft die Mindestlohninitiative genau jene, welche die Initianten angeblich schützen wollen. Die FDP lehnt sie ab.
Täglich beweist der Arbeitsmarkt in der Schweiz seine Integrationsleistung. Er verfügt über ein Netz von weitreichenden sozialen Sicherheiten. Die Arbeitslosenversicherung ist intakt und hilft Arbeitslosen über die Runden mit dem Ziel, sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Schweiz hat die höchste Beschäftigungsquote, eine sehr tiefe Arbeitslosenrate und wenig Jugendarbeitslosigkeit. Diese Vorteile werden mit der Mindestlohninitiative aufs Spiel gesetzt.
Hürde für Berufseinstieg wir massiv hochgeschraubt
Gerade dank Einstiegsmöglichkeiten über Stellen im Tieflohnbereich bietet die Schweiz jungen Leuten Karrierechancen. Die Durchlässigkeit der Lohnsysteme in der Schweiz ist intakt und die Wanderung zwischen den Lohnklassen im internationalen Vergleich gut ausgeprägt. Die Mindestlohninitiative nimmt Jugendlichen, die vor dem Berufseinstieg stehen, die Perspektiven und erschwert Wiedereinsteigern und Wiedereinsteigerinnen die Rückkehr ins Berufsleben. Dies weil mit einem staatlich diktierten Mindestlohn entweder die Stellen ganz verschwinden oder die Schwelle für eine Festanstellung mit dem gesetzlich vorgegebenen Mindestlohn in unerreichbare Höhen geschraubt wird. Weniger gut Qualifizierten legt die Mindestlohninitiative unnötig Steine in ihren Weg in den Arbeitsmarkt und baut Hürden auf, wo es keine geben sollte.
Schädlich für Studierende
Auch Studierende, die einen Ferienjob suchen, würden unter dem staatlich diktierten Mindestlohn leiden. Studenten, die temporär arbeiten, können und sollen nicht gleich viel verdienen, wie Festangestellte. Die Firmen würden bei einer Annahme der Mindestlohninitiative keine Jobs mehr für Studierende anbieten, zum direkten Schaden der jungen Generation, die über diesen Weg ihre Ausbildung mitfinanzieren muss.  
Schadet der dualen Berufsbildung
Der dualen Berufsbildung schadet die Mindestlohninitiative, weil die Motivation für eine Berufslehre und eine Weiterbildung ausgehebelt werden. Wenn schon ein Schulabgänger 4000 Franken pro Monat verdient, werden viele Jugendliche gar keine Berufslehre mit deutlich tieferem Lohn mehr absolvieren und begeben sich als Ungelernte in die Armutsfalle. Derselbe Jugendliche, der sich heute in einer Lehre und mit einem Lohn von 700 Franken für seine berufliche Zukunft ausbilden lässt, soll bei einem direkten Berufseinstieg ohne Lehre mit dem staatlich diktierten Mindestlohn gleich als Schulabgänger im Alter von 16 Jahren 4000 Franken verdienen. Wenn sich zwei Junge dann noch zusammentun und so gemeinsam 8000 Franken verdienen, können beide davon locker leben und erachten es kaum mehr für sinnvoll, eine Ausbildung zu machen. Sinkt die Ausbildungsbereitschaft, erhöht sich bei niedrig- oder unqualifizierten Arbeitskräften die Arbeitslosigkeit. Langfristig kann sich das verheerend auf die Arbeitsmarktfähigkeit breiter Bevölkerungsschichten und auf die Gesellschaft insgesamt auswirken. Was soll zudem die Betriebe motivieren, zweijährige Attestausbildungen anzubieten, wenn sie den Abgängern direkt nach der Ausbildung 4000 Franken bezahlen müssen?
Sozialpolitischer Bumerang
Die Mindestlohninitiative entpuppt sich als sozialpolitischen Bumerang, weil sie die Arbeitsmarktintegration und den Berufseinstieg erschwert und das duale Berufsbildungssystem unterläuft. In der Konsequenz riskieren wir Entlassungen und mehr Arbeitslosigkeit. Die Initiative, die am 18. Mai an die Urne kommt, ist deshalb abzulehnen
Dieter Kläy, Kantonsrat FDP